Was ist besondere Begabung?

Geht man der Frage nach, was besondere Begabung ist, kann man feststellen, dass es keine einheitliche Definition gibt. Über viele Jahrhunderte hinweg hat man besondere Begabungen als ein Geschenk des Himmels betrachtet. Die Vorstellung eines gottgegebenen Genies, das sich ganz von alleine und gegen allen Widerstand durchsetzt, gilt heute als Mythos. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird wissenschaftlich untersucht, was Begabung ist. Zahlreiche Theorien und Modelle erklären die Rolle von Vererbung und Umwelt bei der Entstehung von Intelligenz. Zunächst stehen die Extrempositionen sich gegenüber: Begabung wird entweder als weitgehend ererbt oder als vorwiegend gesellschaftlich bedingt angesehen. Dann rücken Forschungen über die verschiedenen Komponenten und Faktoren, aus denen sich Hochbegabung zusammensetzt, in den Vordergrund. Als solche Teilaspekte werden z. B. angesehen:

Ein nunmehr dynamisches Verständnis von Begabung ermöglicht die Hinwendung zu einer möglichen Beeinflussbarkeit der einzelnen Persönlichkeitsmerkmale, deren Wechselwirkungen und Gesetzmäßigkeiten. Erst das Wissen über die Änderbarkeit des Begabungspotenzials ermöglicht die Erforschung der pädagogisch und auch politisch wichtigen Frage nach der Entwicklung und Förderung von Begabungen. So liegt ein Schwerpunkt der heutigen wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiet der Erstellung von Konzepten, Programmen und Modellen, die eine sinnvolle und effektive Förderung zum Ziel haben.

In Deutschland sind erste Forschungs- und Förderansätze zur Hochbegabung während der Zeit des Nationalsozialismus abgebrochen worden. In der Folgezeit wird die Förderung Hochbegabter häufig gleichgesetzt mit einer Elitebildung und daher mit negativen Assoziationen verbunden oder gar abgelehnt. Um dies zu vermeiden, wird in neuerer Zeit eher der Begriff der besonderen Begabung benutzt, ohne dass inhaltliche Unterschiede damit verbunden werden.

Andere Begriffe, die häufig verwendet werden, sind z. B. hochintelligent, hoch leistungsstark, talentiert, höchstbegabt, Genie oder Wunderkind. Trotz unterschiedlicher Terminologie geht es im Kern um das Gleiche, um Kinder, die altersgemäß früh entwickelte und weit überdurchschnittliche Fähigkeiten oder Interessen zeigen.

Diese Kinder fallen schon in jungen Jahren durch Merkmale wie diese auf:

Allgemeine Intelligenz (Denken, Sprache, Merkfähigkeit, Problemlösungsfähigkeit) wird als Grundlage einer hohen Begabung angesehen.

Sie zeigt sich vor allem in dem Vermögen, neue Probleme effektiv und schnell zu lösen.

In der Psychologie wird diese Fähigkeit mit Hilfe von Intelligenztests gemessen. Dabei wird besondere Begabung als hinreichend großer Abstand zum Begabungsdurchschnitt der Gesamtheit von Schülern des gleichen Alters definiert. Das heißt, dass 97-98 % der Vergleichsgruppe schlechtere Leistungen in den psychologischen Tests zeigen, bzw. dass 2-3 % eines Jahrgangs als hoch begabt gelten. Diese Leistung entspricht in etwa einem Intelligenzquotienten (IQ) von 130 oder einem noch höher liegenden Wert.

Neben der Intelligenzmessung werden aber auch die Beobachtungen in der Testsituation sowie Gespräche mit den Eltern und Lehrern als zusätzliche Informationen zur Bestimmung von Hochbegabung als wichtig angesehen.

Allgemein wird zwischen verschiedenen Begabungsformen unterschieden. So unterscheidet man zwischen intellektueller Begabung und musikalischer, künstlerischer, sportlicher oder handwerklicher Begabung, obwohl es auch hier Überschneidungen gibt. Dabei wurde festgestellt, dass Spezialbegabungen auf inhaltlich begrenzte Gebiete nicht isoliert zu sehen sind, sondern in der Regel einhergehen auch mit einer durchschnittlichen bis überdurchschnittlichen Intelligenz.

Zeigen Schüler auf künstlerischem, musikalischem oder sportlichem Gebiet hervorragende Leistungen, so ist ein besonderes Talent von Eltern oder Lehrern leicht zu erkennen.

Wenn eine Begabung im intellektuellen Bereich besteht, ist dies nicht immer gleichermaßen offensichtlich, da diese sich nicht immer auch in dementsprechend guten schulischen Leistungen ausdrückt. Einigen Schülern gelingt es nicht, ihre Begabung zu nutzen und in gute Noten umzusetzen. Die Einsicht, dass eine besondere Begabung vorliegt, ist nicht so ohne weiteres gegeben.

Hochbegabung ist also nicht mit Leistung gleichzusetzen.

Hochbegabung ist ein individuelles Potenzial. Damit dieses zu den zu erwarten könnenden hohen Leistungen führt, sind auch begabte Schüler auf konsequente Unterstützung und Förderung durch Eltern, Lehrer und Freunde angewiesen.